Was tun, wenn Träume platzen

Du hast sicherlich Wünsche, Pläne oder konkrete Vorhaben für die Du viel, wenn nicht alles tust, um sie zu verwirklichen. Dennoch kann es sein, dass Deine Träume platzen und Du Dir nicht das erfüllen kannst, was Du Dir sehnlichst wünschst.

So schmerzhaft und hart das ist, es gehört – genau wie Erfolg auf der anderen Seite – zur Vielfalt des Leben dazu, auch wenn darüber wenig bis gar nicht gesprochen oder geschrieben wird.

In diesem Artikel möchte ich das wichtige und häufig ignorierte Thema der Traurigkeit aufgreifen, die da sein darf und muss, wenn Träume platzen. Da es für den notwendigen und wertvollen Prozess der Trauer keine allgemeingültigen “Verhaltensregeln” gibt, kann ich Dich auch nicht im Sinne eines “how-to” anleiten.

Jeder Mensch geht mit einer solchen Situation anders um, auch wenn es typische Phasen bzw. “Zustände” der Trauer gibt.

Vielmehr möchte ich Dich für das Thema sensibilisieren und Dir Mut zusprechen, Deiner Trauer und Deinen Tränen den gebührenden Platz einzuräumen. Sie als das ansehen, was sie sind: Der erste wichtige Schritt, um mit der Enttäuschung umzugehen und den Raum für neue Perspektiven zu öffnen.

Wahrhaben und anerkennen oder so tun als wäre nichts passiert

Was tun, wenn Träume platzen? Hast Du Dir diese Frage schon einmal gestellt?

Oder verfährst Du nach dem oft zitierten und häufig verwendeten Motto: “hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen”….?

hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen - echt jetzt?!

(Suchst Du in Google nach dem Motto, werden unglaubliche 29.400 Treffer angezeigt. Du musst noch nicht mal alle Wörter eingeben, der Anfang reicht. Google suggest vervollständigt den Spruch von alleine, so oft wird es gesucht…)

Wenn ich diesen Spruch lese denke ich nur: ECHT JETZT?!
Ist das alles, was uns dazu einfällt?

So tun als wäre nichts passiert, alles ignorieren, Arschbacken zusammenkneifen und weitermachen wie bisher? Ist das schlau, gesund, hilfreich? Mal abgesehen davon: Wozu brauche ich eine Krone? Wäre ein Sonnen- oder Regenhut nicht viel hilfreicher?

Aus meiner Sicht wäre es sinnvoller den Spruch wie folgt abzuändern: “Hinfallen, liegen bleiben und heilen lassen, in Ruhe schauen, worüber ich gestolpert bin, wieder aufstehen und um die Stolperfalle herum weitergehen”.

hinfallen, liegen bleiben, heilen lassen, schauen, worüber ich gestolpert bin, wieder aufstehen, um die Stolperfalle herum weitergehen

Hört sich natürlich bei Weitem nicht so toll an… gebe ich ja zu! 😉

Aber gerade wenn es um Deine sehnlichsten Wünsche geht und Du schmerzhaft erfahren musst, dass Deine Träume platzen, braucht es mehr als nur die Krone zu richten, um gut und vielleicht sogar gestärkt aus der Sache hervor zu gehen.

Negative Gefühle zulassen ist heutzutage unpopulär

Emotionen, die nicht so schön sind zu ignorieren, ist nicht gesund. Egal ob es sich um Gefühle handelt, die im Privatleben entstanden sind, oder ob sie aus Deinem Berufsleben stammen. Wenn etwas nicht funktioniert ist das traurig und schmerzvoll und es ist nur vernünftig dies anzuerkennen.

Es spielt keine Rolle, ob Du Dich von einem geliebten Menschen trennen oder ein berufliches Projekt “begraben” musst.

Doch selbst im privaten Bereich wird das Thema “Trauer” heutzutage häufig ausgeblendet. Es wird an den Rand gedrängt, am besten will man es gar nicht (wahr-)haben. Es gehört zu unserer auf Erfolg und Leistung getrimmten Gesellschaft kaum mehr dazu. Erst recht nicht im beruflichen Kontext. Etwas nicht zu schaffen, gar zu versagen oder zu scheitern, wird wenig bis kaum thematisiert.

Woher sollen wir daher wissen, wie man mit den Gefühlen und der Traurigkeit umgeht, die entsteht, wenn Träume platzen? Sie zu ignorieren ist, wie schon geschrieben, keine gute Idee.

Traurigkeit ist eine essentiell wichtige Emotion – jeder Mensch kann sie fühlen

Zuzulassen, traurig zu sein, ist wichtig. Traurigkeit ist ebenso wie Angst, die oft damit einhergeht, eine unserer Basisemotionen zu denen auch Freude, Überraschung, Wut und Ekel zählen.

Diese Grundgefühle sind wesentlicher Bestandteil jedes Menschen, evolutionär uralt und in allen Kulturen gleichermaßen anzutreffen. Dies zeigt, wie wichtig die Traurigkeit für uns Menschen ist. Wenn sie es nicht wäre, würden wir sie nicht in diesem ausgeprägten Maße fühlen können.

Die Trauer spüren und zulassen – erst danach ist Trost angebracht

Von Erich Kästner soll der Satz stammen: “Man darf mit dem Trösten nicht zu früh beginnen”.

Über den Autor selbst sagt man: Weil er seine Kindheit nicht vergessen hat, wusste er, Trost braucht Raum. Die Traurigkeit muss erst weichen, damit der Trost Platz finden kann.

Im oben zitierten “Krone-richten”-Motto findet man davon nichts. Es ignoriert die Traurigkeit, die gelebt werden muss. Es lässt keinen Platz für Abschiede, die bewusst genommen werden müssen, so schmerzlich sie auch sind. Es räumt dem Trost, der vielfach viel zu früh – gleich nachdem die Träume geplatzt sind – gespendet wird, keinen Raum ein. Der Satz geht in allem, was es aussagt gegen die menschliche Natur und ist dennoch so unglaublich populär.

Verdrängte oder ignorierte Emotionen sind machtvoll

Emotionen zu verdrängen, sie nicht wahrhaben zu wollen oder gar zu ignorieren geht auf längere Sicht nicht gut.

Dich zusammenreißen zu wollen, wegzudrücken was Dich schmerzt und weiterzumachen als wäre nichts geschehen, mag vielleicht heldenhaft klingen und wird nicht selten “gefordert”.

Leider rächt sich diese Strategie im Umgang mit den Geschehnissen früher oder später.

Nur weil Du etwas nicht wahrnehmen willst oder kannst, heißt das noch lange nicht, dass Deine Gefühle diesbezüglich weg sind.

Wir Menschen brauchen Emotionen, um seelisch und geistig ausgeglichen und gesund zu sein.

Das mag erst mal paradox klingen, weil es Dir sicher nicht gut geht, wenn Du enttäuscht und traurig bist. Zum Verarbeitungs- und Wachstumsprozess gehören sie aber genau wie Tränen dazu. Und sie melden sich so lange immer wieder, bis sie angenommen und bewusst verarbeitet werden.

Ansonsten schwelen sie ungesund im Untergrund weiter und steuern auf subtile Weise welche Erwartungen Du hegst und wie Du Dich verhältst und entscheidest.

Selbstmitgefühl ist der Weg raus aus dem Schmerz und der Schockstarre

Mitgefühl mit Dir selbst haben – vielen Menschen ist das in unserer heutigen Zeit abhanden gekommen oder gar abtrainiert worden. Für andere bringen wir oft und gerne viel hilfreiches Mitgefühl auf. Das ist auch gut so und enorm wichtig!

Uns selbst vergessen wir dagegen häufig oder finden schlichtweg keine Zeit für diese “Unwichtigkeit”.

Wenn Deine Träume platzen, ist echtes Selbstmitgefühl das wirkungsvollste Mittel, um mit diesem Verlust umzugehen.

Selbstmitgefühl heißt, Dich all den Emotionen stellen, die dieses Ereignis mit sich bringt.

Das können Enttäuschung und Trauer sein, oder Scham wegen des Scheiterns. Genau wie hilflose Wut, Schuldgefühle gegenüber anderen Beteiligten, Angst vor der Zukunft und vor einem erneuten Scheitern u.v.m. Auch gegen Selbstkritik und Selbstvorwürfe ist Selbstmitgefühl das beste Mittel.

Manche Träume werden zum Platzen gebracht – andere muss Du von Dir aus loslassen

Manche Träume platzen durch äußere Einwirkungen, auf die wir keinen Einfluss haben. Von jetzt auf gleich ist mehr oder weniger alles anders.

Häufig ist es aber auch so, dass sich das Ende schon lange ankündigt, wir aber vor der Frage stehen: “festhalten oder loslassen?”.

Es ist nur menschlich, daran festzuhalten und alles Mögliche zu versuchen, damit es dennoch gelingt. Nicht umsonst heißt es “Die Hoffnung stirbt zuletzt!”. Etwas, woran unser Herz wirklich hängt loszulassen ist eine der schwierigsten Aufgaben.

Sich einzugestehen, dass etwas an das man fest geglaubt und unendlich viele Hoffnungen damit verbunden hat, nicht funktioniert, tut unsagbar weh.

Erschwerend kommt ein psychologisches Phänomen hinzu. Der Trugschluss der verlorenen Kosten – der so genannte “sunk cost feffect”, dem wir ohne es zu merken aufsitzen. Fast automatisch tappen wir in diese Falle und können deshalb nicht oder nur schwer loslassen. (In diesem Artikel erfährst Du was dieser Trugschluss genau ist, wie er wirkt und wie Du ihn umgehen kannst).

Festhalten an etwas, das im Grunde bereits vorbei ist, verhindert auf der anderen Seite, dass es weitergehen kann. Dass Du Dich weiter entwickeln, voranschreiten und neue Ideen, Visionen, Vorhaben, Wünsche und Träume entwickeln kannst.

Solange Du im Prozess des Festhaltens und Nicht-loslassen steckst, mag das ein äußerst schwacher Trost sein. In diesem Zustand ist es so gut wie unmöglich, Dich auch nur gedanklich etwas Neuem und Anderem zu widmen.

Einen Versuch kann es dennoch wert sein!
Deine Dagmar Ruth

P.S.: Hat Dir dieser Artikel gefallen? Dann freue ich mich sehr über eine Weiterempfehlung!


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