persönliche Grenzen erkennen – sind sie nur einengend oder vielleicht auch befreiend?

persönliche Grenzen erkennen - nur einengend oder auch befreiend

Jeder Mensch hat persönliche Grenzen, seien es seelische, mentale, psychische oder körperliche. Sie zu erkennen und entsprechend damit umzugehen ist gesundheitsförderlich.

Heutzutage ist es jedoch modern und angesagt, die eigenen Grenzen zu überwinden, sie auszuweiten oder vielleicht sogar zu sprengen. Um das zu tun muss ich meine persönlichen Grenzen natürlich erst einmal erkennen. Um sie dann verändern oder verschieben zu können.

Ist es nicht mehr OK persönliche Grenzen zu haben?

Für mich klingt bei der Aufforderung, die eigenen Grenzen zu überwinden und sich raus aus der Komfortzone zu begeben immer der unterschwellige Vorwurf mit, dass es nicht ok wäre, in seinen eigenen Grenzen leben zu wollen. Natürlich müssen Grenzen verschoben oder erweitert werden, will ich mich als Person weiterentwickeln und wachsen.

Doch ist das wirklich der einzige Umgang mit ihnen? Gibt es nicht auch Alternativen? Ist es nicht vielleicht sogar gesund, wenn die ein oder andere Grenze genau da bleibt wo sie ist?

Um diesem Gedanken ein bisschen nachzugehen und Dir eine Anregung zur Selbstreflexion, vielleicht auch zur Selbsthinterfragung zu geben, möchte ich mit diesem Artikel dem weit verbreiteten Duktus des “Grenzen überwinden” etwas gegenüber setzen. Und zwar den Gedanken: “Vielleicht sind meine Grenzen ja auch für etwas gut, eventuell befreien sie mich sogar von etwas”.

Grenzen des persönlichen Wachstums – seelisch, mental, psychisch, körperlich

Mir geht es in diesem Blogartikel natürlich nicht um politische Grenzen, auch wenn das traurigerweise so aktuell wie seit Jahrzehnten nicht mehr ist.

Ich beschäftige mich mit persönlichem Wachstum und persönlicher Weiterentwicklung. Bei diesem Thema geht es sehr häufig um Grenzen. Die eigenen und die anderer, die seelischen, die mentalen, die psychischen, vielleicht auch um die körperlichen.

Vielfach geht es darum, ob ich diese Grenzen überhaupt spüre, wo sie genau liegen und wie ich damit umgehen will. Ob ich sie einhalten oder überschreiten, ausweiten, auflösen oder sonst wie verändern will.

Oder – und das wird weit seltener angestrebt – ob ich sie einfach so lasse wie sie sind. Weil sie mich eventuell gar nicht einengen oder weil sie vielleicht sogar auf irgendeine Weise hilfreich sind.

Anregung zur Selbsterforschung – was bedeuten Grenzen für Dich?

Wie bei allem gibt es aus meiner Sicht diesbezüglich keine Vorgaben. Wie Du mit Deinen Grenzen umgehst, bleibt Dir überlassen.

Auch wenn der “gängige und häufig zitierte Tenor” heutzutage eher die Notwendigkeit von “Grenzen verschieben oder überschreiten” suggeriert, musst Du das noch lange nicht (mit)machen, wenn Dir nicht danach ist. Eigene Grenzen zu haben ist völlig ok!

Um dieses Thema ein bisschen näher für Dich selbst zu erforschen, um vielleicht herauszufinden, was Grenzen für Dich bedeuten, gebe ich Dir eine Anregung.

Diese Auswahl an Zitaten zum Thema “persönliche Grenzen erkennen und einordnen” sollen ein Denkanstoß sein.

Lass die Worte auf Dich wirken und spüre in Dich hinein.

  • Bei welchem Zitat spürst Du möglicherweise sofortige Zustimmung? Bei welchem eher Ablehnung?
  • Was leuchtet Dir ein, was nicht so sehr? Weißt Du warum das so ist?
  • Mit welchen Worten kannst Du etwas anfangen, mit welchen weniger bis gar nichts?
  • Welche Gedanken steigen in Dir auf, wenn Du die unterschiedlichen Zeilen liest?
  • Wo findest Du vielleicht Parallelen zu Deinem Leben? Was widerspricht Dir total?

Auf all diese Fragen gibt es keine “richtigen oder falschen” Antworten. Die Übung dient lediglich dazu, Dich selbst besser kennenzulernen. Das was Du dabei denkst und fühlst ist genau richtig. Und auch all Deine Antworten, die Du findest, stimmen so für Dich!

“Dem sind keine Grenzen gesetzt, der sie nicht hinnimmt.”

– Vermutlich eine japanische Zen-Weisheit (bin mir nicht sicher).


Der Regen darf übers Land ziehen

“Ich weiß um meine Begrenztheit. Diese Grenze ist es, die mich frei macht! Sie zeigt mir was ich kann und was ich nicht kann. Sie befreit mich von dem Druck, es “immer schön haben zu müssen”. Der Regen darf übers Land ziehen. Ich bin glücklich. Heute! Jetzt!”

Die Quelle ist mir unbekannt, ich habe den Text in einem wunderbaren Weihnachtskalender gelesen.


“Jeder von uns steht täglich an der Grenze, an der wir entscheiden müssen, ob wir Teil der Lösung oder Teil des Problems sein wollen.”

– Jakob von Wexkull – schwedisch-deutscher Schriftsteller und Stifter des Alternativen Nobelpreises, Initiator Weltzukunftsrat

Viktor E. Frankls, der Begründer der Logotherapie, hatte übrigens eine besondere Sichtweise auf das Thema Grenzen und Freiheit.

Er hielt es für ausschlaggebend zu fragen “Wozu will ich frei sein?”. Statt um die Frage “Wovon will ich frei sein?” zu kreisen.

Hast Du darüber schon einmal nachgedacht? Wozu willst Du frei sein?
Deine Dagmar Ruth


P.S.: Die Idee zu diesem Artikel kam mir übrigens am 3. Oktober, in Deutschland dem Feiertag zur deutschen Einheit. Als ich begann ihn zu schreiben, fielen mir wieder meine Erlebnisse zum Mauerfall ein. Mit dieser kleinen persönlichen Anekdote zum Thema “geografische Grenzen” möchte ich diesen Blogartikel noch ergänzen. Ich sehe darin viele Parallelen zum Thema “persönlichen Grenzen”.

Der 3. Oktober – in Deutschland der Feiertag zur deutschen Wiedervereinigung

An diesem Tag geht es viel um Grenzen. Vor allem um die innerdeutsche Grenze, die nach dem Krieg das Land, erst noch durchlässig, dann immer unüberwindbarer in zwei Hälften teilte. Und um das Fallen eben dieser Grenze im November 1989.

Ich habe dieses wirklich einschneidende geschichtliche Ereignis noch recht gut in Erinnerung. Ich durfte es miterleben, auch wenn ich nicht daran beteiligt war.

Woran ich mich besonders erinnere ist zum einen die intensive Diskussion, die wir noch ein paar Monate vorher im Geschichtsunterricht (in der Schule) geführt haben. Ob wir uns eine Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland vorstellen könnten und ob wir glauben, dass dies jemals passieren würde.

Der Großteil meiner Klasse glaubte nicht daran. Für zu unüberwindbar hielten wir die Hindernisse, die Grenze für viel zu fest “zementiert”. Ein vereintes Deutschland war aus unserer Sicht international politisch auch nicht gewollt.

Jahrhunderte alte Gebietsgrenzen mit teilender Wirkung

Das andere, an was ich mich recht lebhaft erinnere, waren ein paar Tage in den ersten Wochen direkt nach der Grenzöffnung. Ich besuchte meine Oma, die im nördlichsten Zipfel von Bayern lebte. Die Region grenzte damals direkt an die ehemalige DDR und an die Tschechoslowakei (wie die mittlerweile getrennten Staaten Tschechien und Slowakei damals als ein Land hießen).

Auch in dieser Region gab es ein geteiltes Dorf. So wie Berlin nach dem Krieg in Ost und West geteilt wurde, war auch mitten durch das Dorf Mödlareuth eine Mauer gezogen worden. Warum? Weil es eine jahrhundertealte Gebietsgrenze gab (aus dem 16. oder gar 17. Jahrhundert), die einem Flüsschen folgte, welches mitten durch das Dorf lief.

Darauf hat man sich berufen, die eine Seite zu Ostdeutschland und die andere zur BRD gehörend und damit auch den Verlauf der innerdeutschen Grenze festgelegt.

Das nur aufgrund einer Karte, die hunderte von Jahren alt war und längst keinen mehr interessierte, in der Folge aber viele Familien wortwörtlich “mitten durch” geteilt hat. Falls Du dich für das Schicksal des Dorfes näher interessierst, das Deutsch-Deutsche Museum in Mödlareuth ist heute noch sehr eindrucksvoll und einen Besuch wert.

Ich konnte die Grenzöffnung wortwörtlich riechen

So, nun aber genug des Geschichtsunterrichts, zurück zu meinen Erinnerungen und warum mir der Besuch im Jahre 1989 so intensiv in Erinnerung geblieben ist.

Unter anderem, weil ich die Veränderung nicht nur gesehen und erlebt habe durch beispielsweise die Begegnung mit Menschen, die bisher in der DDR gelebt hatten. Sondern weil ich diese Veränderung auch wortwörtlich riechen konnte, denn es roch damals ganz anders. Viele der Besucher waren mit ihren Zweitakt-Trabbis gekommen. Diesen typischen Abgas-Geruch der DDR-Autos kannte ich bisher nicht.

Noch heute holt ein ähnlicher Geruch bei mir diese Erinnerungen sehr lebhaft wieder hervor. Meine Gedanken wandern automatisch wieder zum Thema “Grenzen bzw. Grenz-Öffnung”. Das ist in meinem Gehirn seitdem sehr eng miteinander verknüpft.

Hier ein paar Parallelen die ich sehe (vielleicht siehst Du andere oder noch mehr?)

  • Grenzen können völlig willkürlich gezogen werden, vorbei an jeder Realität oder ungeachtet dessen, dass die Grenzlinie heute gar keine Relevanz mehr hat.
  • Grenzen sind häufig von außen bestimmt, ohne dass ich etwas dagegen tun kann.
  • Erlebnisse können sich unbemerkt mit den eigenen Grenzen verknüpfen und diese “aktivieren” ohne ersichtlichen äußeren Grund.
  • Auch felsenfest zementierte Grenzen (jedenfalls die, die dafür gehalten waren) lassen sich auflösen, verändern, verschieben.

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