Der Kunde ist König! Oder vielleicht doch nur Prinz oder Prinzessin?!?

Der Kunde ist König! Oder vielleicht doch nur Prinz oder Prinzessin?!?

Sicher kennst Du den Spruch „Der Kunde ist König“. Erst recht, wenn Du ein Einzelunternehmen hast und vor allem dann, wenn Du Dienstleistungen anbietest.

Wenn Du ihn kennst, stimmt er für Dich? Wenn ja, was heißt das genau für Dich?

Dass Du Dich in Deinem Angebot komplett und zu 100% nach Deinem Kunden ausrichten musst? Dass Du all Deine Bedürfnisse zurückstellst, um den König oder die Königin ja nicht zu verärgern. Dass Du akzeptierst, dass der Kunde immer recht und damit uneingeschränkte Macht über Dich hat?

Oder kannst Du Deine Kunden auch ganz anders betrachten? Und eine gleichberechtigtere Art der Kundenbeziehung eingehen?

Kunden-Orientierung: ja – Kunden-Hörigkeit: nein

Sicherlich: ein Angebot, das nicht am Kunden orientiert ist, wird nicht funktionieren. Aber wie weit muss diese Kundenorientierung gehen? So weit, dass Du als Mensch, als Teil der Kundenbeziehung nicht mehr auftrittst oder zu sehen bist? Dass der Kunde Dein Arbeitsleben fast vollständig bestimmt und diktiert?

Reicht es nicht vielleicht doch aus, den Kunden „nur“ als Prinz oder Prinzessin zu sehen?!?!
Also als jemanden dem Du selbstbewusst und etwas mehr auf Augenhöhe begegnest. Dem Du nicht uneingeschränkt dienst, sondern dem Du auch Vorschläge machst? Und ja, auch als jemand, zu dem Du mit gutem Gewissen „nein“ sagen kannst?!

Nein-Sagen bedeutet Wertschätzung

Jana Ritzen - Die Gluecksschmiedin

Meine Kollegin Jana Ritzen, bringt viele gute Impulse zum Thema „Nein-Sagen“.
Gerade letztens hat sie auf facebook ein schönes Video veröffentlicht, in dem sie darüber spricht, woher die ursprüngliche Bedeutung „jemanden in seine Schranken zu verweisen“ kommt. Und wieso das für beide Seiten zum Vorteil sein kann. Ich finde, sie „ent-negativisiert“ diese Redewendung in ihrem Video recht deutlich.

Die ursprüngliche Bedeutung dieser Redewendung kann ein gutes Bild sein, mit dem Du als Einzelselbstständige/r arbeiten kannst.

Dann, wenn Du mit der Art Deiner Kundenbeziehungen nicht zufrieden bist, weil Du z.B. das Gefühl hast fremdbestimmt und „diktiert“ zu werden oder keinen gleichberechtigen Platz einzunehmen. Dann, wenn Du das ändern willst.

Im Folgenden beschreibt Jana Dir was sie damit genau meint.


Jemanden in seine Schranken weisen – so wie damals die Ritter

Sicherlich kennst auch Du die Redewendung „Jemanden in seine Schranken weisen“. Diese Redewendung ist häufig mit starken Emotionen wie Wut oder Aggression verbunden und wird häufig negativ bewertet.

Um diesem Akt des Grenzensetzens etwas diese Negativität zu nehmen, habe ich Dir heute ein Bild aus der Ritterzeit mitgebracht.

Sicherlich hast auch Du als Kind den einen oder anderen Ritterfilm genossen und weißt, dass in diesen Filmen das Lanzenstechen nicht fehlen darf. Dabei stehen sich zwei Ritter gegenüber, deren Reitbahnen durch eine Holzplanke voneinander getrennt sind. Ziel ist es, den Gegner mit einer Lanze aus dem Sattel zu heben, während beide in vollem Galopp aufeinander zu reiten.

Nur wurde dieser Wettkampf anfänglich ohne diese Holzabsperrung in der Mitte ausgeführt.

Ohne Grenzen keine Ergebnisse

Dabei geschah es häufig, dass die Pferde in vollem Galopp ineinander krachten, weil sowohl Ross als auch Reiter durch die Rüstung ein sehr eingeschränktes Sichtfeld hatten. Dadurch verschätzten sie sich in der Distanz zueinander, was folgenschwere Unfälle mit Beinbrüchen, ausgekugelten Hüften und bestimmt noch viel Schlimmerem mit sich brachte.

Das Blöde: Der Wettstreit war in diesen Fällen zu Ende bevor er angefangen hatte.

Und so läuft es auch häufig in der Kommunikation mit Menschen ab, die sich nicht gut abgrenzen können oder sich schlicht ihrer Grenzen nicht bewusst sind. Mit ihnen kommt man oft gar nicht erst dazu, eine Sache zu klären. Stattdessen kracht man aus scheinbar unersichtlichen Gründen aneinander und befindet sich, ehe man sich’s versieht, in einer Grundsatzdiskussion.

Zurück bleiben nach solchen Gesprächen auf beiden Seiten Wut, Verletzungen und Frust. Frust darüber, nicht gesehen, nicht verstanden, nicht gehört zu werden.

Schranken dienen der Orientierung und dem Schutz

Die Ritter haben für sich eine Lösung gefunden, um das Verletzungsrisiko im Vorfeld zu mindern: Sie stellten eine Absperrung in der Mitte auf. Eine sogenannte Schranke.

Zu Beginn eines Turniers wurde jedem Kontrahenten eine Seite der Schranke zugewiesen, auf die er von seinem Knappen geleitet wurde. Er wurde „in seine Schranken verwiesen“. Nun konnte er seine ganze Konzentration auf den Wettkampf richten und musste sich keine Sorgen mehr darüber machen, ob er seinem Kontrahenten vielleicht zu nah kommen könnte.

Die Schranke diente den Reitern also als Orientierung, die es ihnen ermöglichte, ihre Aufmerksamkeit auf die Sache an sich zu richten. Auf diese Weise konnten unbeabsichtigte Verletzungen vermieden werden.

Kommuniziere Deine Grenzen deutlich nach außen und schütze dadurch Dein Gegenüber

Die Metapher zu unserem alltäglichen Umgang mit anderen Menschen ist offensichtlich. Dir über Deine Grenzen klar zu sein und sie ersichtlich nach außen zu kommunizieren, gibt nicht nur anderen eine Orientierung im Umgang mit Dir, sondern auch Dir selbst.

Das führte mir dieses Bild nochmal ganz klar vor Augen. Ich bitte andere Menschen mit der Respektierung meiner Grenzen nicht einfach nur, mir nicht zu nahe zu kommen. Ich beschütze sie auch vor Verletzungen von meiner Seite aus.

Denn Grenzüberschreitungen werden immer mit Verletzungen auf beiden Seiten bezahlt. In unserem täglichen Umgang nicht immer zum gleichen Zeitpunkt wie bei einem physischen Zusammenprall. Wenn Du allerdings einen Menschen immer wieder über Deine Grenzen marschieren lässt, um ihm Jahre später endlich Deine Grenzen aufzuzeigen, kann das für die andere Person sehr schmerzhaft sein.

Selbst wenn Du Deine Grenzen kennst, der andere kennt sie nicht so ohne weiteres

Denn vielleicht war dieser Person ihre Grenzüberschreitung nicht bewusst. Und nun fragt sie sich, wie vertrauenswürdig Euer Verhältnis wirklich ist, dass Du all die Jahre nichts zu ihr gesagt hast.

Denn sie hätte höchstwahrscheinlich (und so ist es in den meisten Fällen) ihr Verhalten Dir gegenüber geändert, wenn sie gewusst hätte, dass es Dich verletzt.


 

Ich hoffe Jana und ich konnten Dir mit diesem Artikel Mut machen, Dir Deine Grenzen bewusst zu machen und sie von Anfang an möglichst klar dem anderen zu kommunizieren. Wie der Artikel verdeutlichen wollte, schützt Du damit beide Seiten. Und das gilt aus meiner Sicht auch für Deine Kundenbeziehungen. Denn Verlässlichkeit ist für uns alle extrem wichtig. Egal ob Anbieter oder Kunde.

Mit ideenreichen Grüßen
Deine Dagmar

Falls Du Jana sehen willst, wie sie Dir diese Redewendung erklärt, findest Du hier ihr Video.

Dieses Video ansehen auf YouTube.

 

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